Ethische Geldanlagen

my.onvista.deGewissen statt Rendite – vom wirkungsorienten Investieren

Nachhaltigkeit wird zum Trend: Immer mehr Menschen zeigen sich als kritische Konsumenten. Was in den letzten Jahren vor allem für die Herkunft von Nahrungsmitteln sowie den Produktionsbedingungen von Konsumgütern galt, greift auch auf Kapitalanlagen über. Die Nachfrage nach ethischen Geldanlagen hat sich seit 2012 fast verdreifacht, wie eine aktuelle Studie zeigt. Was zeichnet diese Finanzprodukte aus?

Nutzen für die Gesellschaft

Der korrekte Fachbegriff der nachhaltigen Investments trifft es genau: Bei „wirkungsorientierten Geldanlagen“ steht nicht nur die Rendite im Fokus, auch der Zweck des Investments wird in Betracht gezogen. Naheliegend ist dabei der Verzicht auf eine Spekulation mit Nahrungsmitteln – ein Preisanstieg von Reis oder Getreide an den internationalen Börsen trifft die Ärmsten dieser Welt. Auch die Investition in Rüstungsunternehmen oder die indirekte Unterstützung von Tierversuchen findet in einer solchen Geldanlage keinen Platz. Viele Banken gehen beim ethischen Investieren aber gar noch weiter, indem der Zweck der Anlage hinterfragt wird. Die Kapitalgeber wünschen sich dabei, junge Unternehmen zu fördern, die sich selbst nachhaltigen Projekten verschrieben haben – so wie „Social Impact“: Die Agentur für soziales Unternehmertum betreibt in sechs deutschen Städten Zentren zur Unterstützung von jungen Start-ups, die ihre Produkte oder Dienstleistungen mit sozialen Zielen verbinden. Darunter finden sich beispielsweise Unternehmen, die dabei helfen wollen, die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt zu vereinfachen. Das Ziel ist kaum als Sozialromantik zu verstehen, die nur den Geflüchteten hilft. Ein Gelingen entlastet natürlich gleichermaßen auch den Staat und damit die gesamte Gesellschaft.

Finanzkrise ließ Nachfrage ansteigen

Der Gedanke, mit dem eigenen Geld zusätzlich zur Rendite auch Gutes zu bewirken hat Konjunktur. Laut einer jüngst veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung ist das Finanzvolumen für solche Anlageformen von 24 Millionen Euro im Jahre 2012 auf 70 Millionen Euro im Jahre 2015 gestiegen. Dabei macht die Erhebung durchaus noch Verbesserungspotenzial aus: So kritisieren die Initiatoren die fehlende Förderung in Deutschland. Großbritannien macht es vor; hier zahlt der Staat eine Dividende für die Investition in nachhaltige Projekte. Voraussetzung ist allerdings, dass ein erfolgreiches Investment den Etat an anderer Stelle entlasten muss – der Nutzen für die Gesellschaft muss damit greifbar sein.

Moderate Rendite

Dass die Investition in eine Ethische Bank eine überlegenswerte Alternative zu renditeorientierten Anlageformen ist, hat auch die letzte Weltwirtschaftskrise gezeigt: Vor allem die zügellose Gier einiger Anleger sorgte dafür, dass die Hypothese des selbst regulierenden Marktes widerlegt wurde. Wirkungsorientierte Geldanlagen waren folglich weniger stark betroffen, sowohl von den monetären Verlusten als auch von der Sinnkrise, die das konventionelle Bankensystem ereilte. Die Rendite fällt dabei übrigens keinesfalls so mager aus, wie es zu befürchten wäre: Einige Banken geben einen Kapitalzuwachs von etwa 2 Prozent jährlich an. Damit bewegen sich die nachhaltigen Projekte in etwa auf dem Niveau von Festgeld bei konventionellen Banken. Grundsätzlich muss natürlich berücksichtigt werden, dass sich das Zinsniveau derzeit ohnehin auf einem sehr niedrigen Niveau befindet. Eine deutliche Vermehrung des eigenen Anlagekapitals ist selbst dann nicht zu erwarten, wenn ethische Gesichtspunkte bei der Auswahl keine Rolle spielen – auf ein gutes Gewissen können sich die Investoren dann allerdings ebenfalls nicht berufen.